Zum Jubiläum 50. Mal Wiesnfestzug – 350 Kilometer zu Fuß
Aufstellung in der Gewürzmühlstraße in München

Zum Jubiläum 50. Mal Wiesnfestzug – 350 Kilometer zu Fuß

Ein halbes Jahrhundert Wiesnzug, das gibt ganze 350 Kilometer. Also ungefähr eine Strecke von Pöcking nach Würzburg.

Dieses Jahr hat man schon wieder sehnsüchtig auf die Einladung zum Trachten- und Schützenzug anlässlich des Oktoberfestes in München gewartet. Denn immerhin ist es das 50. Mal dass man dabei ist. Nur einmal fehlten die Pöckinger Musiker, sie waren in Frankreich damals vermittelt vom Festring München.

Angefangen hat alles 1963. Die erst seit 1959 gegründete Blaskapelle bekam die erste Einladung des Münchner Festrings zum Wiesnzug, der trotz der großen Schinderei ein unvergessliches Erlebnis wurde. Von da an wollte man immer dabei sein, schon wegen des gemeinsamen Wiesn-Besuches, der selbstverständlich dem Umzug folgte. Das Bier war so süffig wie heute, das Dunkle begehrter als das Helle und die volle Maß kostete noch 1,80 DM, das halbe Hendl 2,05 DM und zwei Paar Schweinswürstel 1,90 DM. Die Musik spielte noch ohne Verstärker und wer’s halt genauer hören wollte setzte sich einfach näher an die Bühne.

So ein Festzug bedeutet natürlich für alle Teilnehmer harte Arbeit. Um 8:00 Uhr starten die rund 55 Musiker und 25 Trommler mit zwei Bussen von Pöcking, um 9:00 Uhr ist bereits Aufstellung. Seit einigen Jahren ist man im Block der Bayerischen Sportschützen dabei. Es ist schon etwas ganz besonderes wenn man am Morgen mit so vielen verschiedene Trachtengruppen, Musikern und Schützen darauf wartet bis der Abmarsch erfolgt. Eigentlich haben wir immer schönes, zumindest trockenes Wetter. Bis auf 2011, da hat es von Anfang bis zum Schluss nur geregnet. Da sind auch einige Trachten, Federn und Instrumente kaputt gegangen.

Bereits nach der ersten Kurve biegt man ein auf die Maximilianstraße wo die Fernsehkameras stehen. Hier wird ein Marsch gespielt, der vom Festring vorgegeben wird. Weiter durch die vollen Straßen durch München, vorbei an den großen Zuschauertribünen. Es ist schon beeindruckend wie viele Menschen aus allen Herren Ländern diesen wunderschönen Festzug sehen wollen. Nach ungefähr zwei Stunden Marsch im Gleichschritt und ca. 20 gespielten Märschen kommt man an auf der Wiesn.

Es wird dann noch ins Zelt gespielt und noch ein Abschlussmarsch zum Besten gegeben. Einige Musiker nehmen gleich die reservierten Plätze ein, andere erbarmen sich und räumen die Instrumente in die Busse zurück.

Der Lohn für jeden Musiker ist eine Maß Bier und ein halbes Hendl, spendiert vom Münchner Festring. Mehr gibt es nicht für die Blaskapellen, der Rest muss selbst bezahlt werden. Aber wir sind Musikanten, wir spielen nicht für Geld, sondern wir haben eines der schönsten Hobbys und erhalten das bayerische Brauchtum.

Am Abend geht’s dann wieder zurück mit dem Bus.

Ach ja, es wurde nicht immer mit dem Bus gefahren. In den 70er Jahren fuhr man mit der Bahn. Die Instrumente wurden nach dem Festzug im Bierzelt deponiert. Am Abend gings dann zum Bahnhof. Bei der nächsten Probe kam dann die Ernüchterung, die Instrumente hatten den aufregenden Nachttransport nicht ganz ohne Schaden überstanden.

Ein andermal hat ein Pöckinger Musikant einmal seinen Hut mit einer original australischen Schottenmütze getauscht. Der Australier war so begeistert, dass er dem Musiker noch seinen Kniestrumpf überlassen hatte. Dass sein zweiter Haferschuh fehlte, merkte der Musikant erst zu Hause.

Und trotzdem, nächstes Jahr san mia hoffentlich wieder dabei beim Wiesnzug

Euer Martin Engesser

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